Warum spielen?

hier gehts zurück zum Inhaltsverzeichnis

Warum ist das Spielen unter Hunden so wichtig ? Dass das Herumtollen und Spielen für die Hunden lebenswichtig und eigentlich bitterernst ist, darauf kommen die wenigsten, wenn man ihnen zuschaut. Wir registrieren ihre körperlichen Fortschritte und finden es lustig wenn die Hunde miteinander rangeln. Die meisten Hunde sind so ungeheuer optimistisch, neugierig und unternehmungslustig, dabei übersehen wir oft völlig, mit welcher Ernsthaftigkeit sie ihre Ziele verfolgen. Sie sind ja keinesfalls kleine Clowns, die ihre Spiele zu unserer Belustigung vorführen. Was sich da vor unseren Augen vollzieht, ist etwas ganz "Wunderbares". Es wäre schade, wenn uns das nicht bewusst würde. Wir erleben, wie sich aus einem hilflosen kleinen Geschöpf ein eigenständiges, einzigartiges Wesen entwickelt. Es werden bis ca. zum 4. Monat die Grundlagen des sozialen Verhaltens geprägt. Zum sozialen Verhalten gehören immer mehrere Tiere, d.h. ein Hund kann Verhaltensweisen erst entwickeln, wenn er einen entsprechenden Anlass hat, also zu einem oder mehreren anderen Beziehungen aufnimmt. Begegnen sich zwei Hunde, ist jeder ein Problem für den anderen. Sie beginnen sich spielerisch zu nähern, um herauszubekommen, ob der andere freundlich oder unterwürfig gestimmt ist oder ob er Angst hat und wegläuft. Entsprechend verhalten sie sich dann. "Soziales Verhalten" beginnt also als Problem oder Frage und endet in einer Handlung. Diese zunächst einfache Reaktion wird meistens beibehalten, da sie dem dann normalerweise üblichen Verhalten schon sehr ähnlich ist. Wenn sich also zwei Welpen nähern und einer ist kooperativ oder unterwürfig, wird der andere das wohlwollend registrieren. Wenn beide kämpferisch gestimmt sind oder keiner nachgeben will, werden sie kämpfen. Wenn einer wegläuft, weil er bedroht wurde, läuft ihm der andere noch etwas nach und lässt ihn dann aber in Ruhe. So entwickeln sich Droh- und auch Fluchtverhalten. Unnötige, ernsthafte Kämpfe werden auf diese Weise vermieden. Der Drohende ist völlig zufrieden, wenn der andere das Feld räumt und der Flüchtende lernt schnell, wenn er sich unterwürfig zeigt oder wegrennt, passiert ihm nichts. Das alles wird schon sehr früh spielerisch mit den verschiedensten Methoden ausprobiert. Das ist ein sehr wichtiger Lernprozess. Was die angenehmsten Ergebnisse brachte, d.h. was die wenigsten negativen Folgen hatte, wird beibehalten. Allerdings schreibt sich das nicht unabänderlich fort, sondern es kann immer wieder, je nach Situation geändert werden. Verhalten, so kompliziert es erscheint, besteht aus vielen einfachen Beziehungen. Welpen haben zunächst nur wenige Ausdrucksmöglichkeiten. Sie können quietschen, weglaufen oder sich wehren. Aber die Verhaltensentwicklung wird deutlich durch das Temperament bestimmt, das jeder Welpe von Geburt an mitbekommen hat, und wir können bereits früh einige sehr einfache Dominanzverhältnisse feststellen. Man kann niemals grundsätzliche Aussagen über ein Tier machen, sondern nur über seine bei verschiedenen Anlässen gezeigten Verhaltensweisen. Ein über andere Welpen dominanter Welpe ist dies nicht in Bezug auf seine Mutter und auch nicht generell in Bezug auf alle anderen Hunde. Er ist nicht an sich aggressiv, friedlich oder ängstlich, sondern entwickelt oder zeigt dies erst im Zusammenleben. Das gleiche Tier kann in einer Situation aggressiv und dominant, in einer anderen kooperativ, untergeordnet oder ängstlich sein. Jeder Hund ist von Geburt an mit vielen Anlagen und Eigenschaften ausgerüstet. Diese können zwar nicht verloren gehen, aber möglicherweise auch niemals zur Entfaltung kommen. Die Körpersprache des Welpen ist angeboren, sie zu verstehen aber nicht. Das muss er erst in der Praxis, sprich im Spiel mit anderen Hunden lernen. Das Rudel ist immer bestrebt, in Frieden miteinander zu leben und damit auch zu überleben. In Frieden kann es aber nur leben, wenn alle ein gutes Sozialverhalten zeigen und jeder mit seinem Platz zufrieden ist. Lernt Ihr Hund dieses Sozialverhalten im Welpenalter nicht, so wird er anderen Hunden entweder überaus ängstlich oder überaus aggressiv begegnen, und ein Spaziergang mit ihm ist dann kein reines Vergnügen. Ein Hund mit einem gestörten Sozialverhalten würde auf der Strasse ganz wild andere Hunde ankläffen. Diese werden dann über soviel Taktlosigkeit entsetzt sein und echt wütend werden. So prägt sich dem Junghund ein, dass alle anderen Hunde böse sind. Er weiss ja nicht, dass er selber es mit seinem Verhalten provoziert hat. Auch gestörtes Spielverhalten wirkt natürlich auf andere Hunde sehr befremdlich und kann diese zu aggressiven Handlungen herausfordern. Darum ist es unmöglich für so einen Hund, mit anderen Hunden zu spielen

Quelle: Welpenkurs © MV Büttgen Frau Petra Bender