Lerntempo

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* Von der Schnelligkeit und der Langsamkeit des Erziehers Von der Schnelligkeit Wir sprachen ja schon davon, dass der Hund nach einem bestimmten Prinzip, nämlich Reiz, Reaktion und Verstärkung lernt und dass dieses RRV schnell aufeinander folgen soll. Es gibt aber auch noch eine andere Art des Lernens, das reflexartige Lernen. Die Reaktionen eines Hundes sind meist reflexartig, also blitzschnell. Blitzschnell hat er sich davongemacht, als Sie ihn gerade anleinen wollten. Blitzschnell hat er geklaut, zugebissen usw. Der Hund reagiert also blitzschnell über einen Reiz, der Besitzer dagegen meist erst über den Verstand, und das dauert ein paar Sekunden. Reflexartig reagieren auch wir, z. B. wenn wir uns verbrennen. Wir ziehen die Hand schon zurück bevor die Nerven den Schmerz ans Gehirn weitergeleitet haben, also bevor es weh tut. Auch wenn wir uns dauernd an der gleichen Stelle angestossen haben, werden wir irgendwann, auch wenn diese Stelle nicht mehr vorhanden ist, einen Bogen darum schlagen. Also reflexartig lernen heisst zuerst handeln und anschliessend kommt die Meldung ins Gehirn. Bei vielen Befehlen, die wir unseren Hunden geben, ist es ja erwünscht, dass der Hund sie schnell ausführt (Fahrrad, Jogger, Auto), also mit der Schnelligkeit und Zuverlässigkeit eines Reflexes. Geht der Gehorsam nicht über den Reflex, hat der Hund schnell heraus, dass ihm ein Zeitraum von einigen Sekunden bleibt den Befehl in Frage zu stellen oder zu verweigern. Z.B. beim Befehl "Sitz": Folgt der Hund nicht sofort, so ziehen Sie ihn am Halsband hoch und drücken sein Hinterteil kurz und kräftig runter. Zur Sicherheit sagen Sie dann noch mal "Sitz". Er hat also genug Zeit, zu verweigern. Deshalb soll das "Sitz" erfolgen, indem der Hund sich tatsächlich hinsetzt. Also der Befehl, den Hund am Halsband hochziehen und der Druck auf das Gesäss müssen gleichzeitig erfolgen. Ähnlich ist die Situation, wenn Sie mit einem "Nein" Ihren Hund von einer Handlung abhalten wollen. Wie oft hat der Hund schon alles erledigt, wenn Sie mit Ihrem Verbot zur Stelle waren? Wie oft loben Sie Ihren Hund zu spät für ein "Sitz", gerade wenn er schon wieder aufsteht? Sie müssen schnell und rechtzeitig mit Lob, Tadel und Verbot zur Stelle sein. Sie sollten so schnell und unvermittelt reagieren können wie ein Reflex, um eine bevorstehende Aktion des Hundes rechtzeitig abblocken zu können. Nur das zeitgleiche Zusammentreffen eines Befehles mit der Reaktion des Hundes erreicht, dass der Hund reflexartig reagiert, also ihm keine Zeit zum Überlegen bleibt. Schnelligkeit heisst also, die Übungen zügig durchführen, schnell umschwenken auf Kommando, Korrektur, Lob und Tadel und immer alles im richtigen Augenblick. Verwechseln Sie aber nie die Schnelligkeit mit Hektik oder Hast. Langsamkeit Langsamkeit heisst: * Geduld, innere Ruhe, Zielstrebigkeit und Gelassenheit * dass Sie sich erst einmal darüber im Klaren sind, in welchen Schritten Sie Ihren Hund etwas beibringen wollen * erst einmal klein anfangen mit Fuss und Sitz und danach langsam darauf aufbauend zur nächsten Übung übergehen * nicht immer tausendmal hintereinander das Gleiche üben. Lieber eine kurze aber korrekte Übung, als eine lange immer schlechter werdende. * wenn die neue Übung nicht klappt, zur vorherigen zurückgehen. Sie haben alle Zeit der Welt * Immer mit einem Lob aufhören, also zum Schluss eine Übung machen, die der Hund besonders gut kann. * dass Sie immer gut vorbereitet sind * umschwenken auf eine Übung, die der Hund besonders gut kann, wenn Sie oder Ihr Hund unkonzentriert sind. * dass Sie sich nicht unter Druck setzen. Sie werden dadurch entspannter. * dass Sie ausgeruht und nicht mit knurrendem Magen ans Werk gehen, der Hund aber voller Tatendrang sein soll. Langsamkeit führt schneller ans Ziel. Geniessen Sie den Ausgang mit Ihrem Hund in vollen Zügen. Nehmen Sie sich unterwegs die Zeit, nicht nur mit Ihrem Hund regelmässig zu üben, sondern auch mit ihm zu reden und ihn auch hin und wieder zu streicheln. Er gewöhnt sich an den Klang Ihrer Stimme, und geniesst die entspannte Atmosphäre und fühlt sich bei Ihnen sicher und geborgen. Gerade das ist etwas, was Ihre Alphaposition vielleicht mehr verstärkt als einige Übungen, die nun unterbleiben. Sie werden sehen, auch das ist etwas, was auf geheimnisvolle Weise ein Band zwischen Ihnen und Ihrem Hund knüpft. Wie wunderbar wohl werden Sie ( und das überträgt sich auch auf Ihren Hund) sich fühlen nach so einem Ausgang. Welch schlechter Nachgeschmack bleibt jedoch, wenn Sie schlecht ausgerüstet und schlecht vorbereitet ausgezogen sind, und danach schwitzend, mit wehen Füssen, gereizt und hungrig wieder heimkehren. Auch das überträgt sich auf Ihren Hund. Langsamkeit, denken Sie daran befreit Sie von Hast, Gereiztheit und Hektik und Ihren Hund davor, sich vor den Übungsstunden zu fürchten.

Quelle: Welpenkurs © MV Büttgen Frau Petra Bender