Kind und Hund

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* Kind und Hund Wenn zuerst das Kind da ist und Sie einen 8-wöchigen Hund ins Haus bringen, wächst er in einer sozialen Umwelt auf, in der es für ihn selbstverständlich ist, dass auch ein kleiner Mensch dazugehört. Auch bei einem instinktmässig nicht gerade idealen Hund wird dann über den Weg der Gewöhnung das Kind respektiert werden - vorausgesetzt natürlich, dass die Eltern die mögliche Freundschaft zwischen Kind und Hund im besten Sinne fördern. Nicht nur Hunde können eifersüchtig auf Kinder sein, auch das Umgekehrte ist möglich. Fühlt sich ein Kind durch den im Mittelpunkt stehenden Welpen gestört, und sagt es sogar, der Hund solle wieder fort, heisst es aufpassen. Kinder sind im Durchsetzen ihrer Gefühle ebenso erfinderisch wie Hunde. Rein zufällig wird so ein Hund einmal gezwickt, geschlagen oder getreten, wenn gerade niemand zusieht. Manche Hunde lassen sich das gefallen. Für andere ist das Mass dann irgendwann einmal voll. Dann hat wieder einmal ein bis dahin braver Hund ein Kind gebissen. Hinsichtlich Kindern und Hunden steht an erster Stelle die Sicherheit. Sie können nicht gewissenhaft und wachsam genug alle Vorkommnisse durchdenken und beobachten. Kinderfeindliche Hunde sind das Ergebnis negativer Erfahrungen, die sie im Welpen- und Junghundalter mit unerzogenen Kindern gemacht haben. Kinderfeindlich kann auch ein Hund werden, der nie die Gelegenheit hatte mit Kindern Kontakt aufzunehmen, einfach weil er Kinder als unklare Objekte nicht einordnen kann. Unklare Objekte machen ihn unsicher, und ein unsicherer Hund wird immer versuchen, sich Klarheit zu verschaffen, d.h. entweder weglaufen oder sich der Gefahr stellen und das Objekt verjagen. Es besteht überhaupt kein Zweifel daran, dass Kinder Freude an Hunden haben, soweit sie nicht zur Ängstlichkeit Hunden gegenüber erzogen worden sind. Die Frage ist nur, ob auch der Hund Freude an Kindern hat. Es gibt kaum eine Mensch-Hund-Beziehung, bei der mehr Fehler gemacht werden, zum Schaden des Kindes und zum Schaden des Hundes. Kinder und Welpen stehen sich psychisch sehr nah in ihrer grossen Anpassungsfähigkeit. Deshalb ein Rat: Besonders wenn man selbst keine Kinder hat, sollte man sich um regelmässigen Kinderbesuch bemühen, um dem Hund die richtigen Kindermanieren beizubringen. Suchen Sie sich ein paar tierliebe Kinder aus der Nachbarschaft, die sich unter Ihrer Anleitung mit Ihrem Welpen beschäftigen. So machen Sie dem Welpen, den Kindern und sich selbst eine Freude, und Ihr Welpe lernt gleichzeitig, den Umgang mit Kindern positiv zu sehen. Aber immer wieder eine Bitte: Lasst Kinder mit Hunden spielen - aber nie ohne Aufsicht! Es fehlt beiden an der notwendigen Einsicht auch wenn Sie einander eng verbunden sind. Das Spiel der Hunde ist auf das feste harsche Fell des Wolfes instinktmässig festgelegt. Zwicken gehört zu den Freuden des Spiels. Wir Erwachsenen halten das aus - bei einem drei- oder vierjährigen Kind kann das blutende Wunden erzeugen, die vom Kind missverstanden werden können. Faustregel Nr. 1 heisst also: Es ist pure Vernachlässigung der elterlichen Aufsicht, wenn man einen Hund mit einem Kind alleine lässt, das noch nicht in der Lage ist, diesen Hund in allen Situationen zu beherrschen. Eltern, Kind und Hund müssen eine geschlossene Gemeinschaft sein. Anders geht es nicht. Herumkrabbelnde Kinder werden vom Hund eher als eine Art untergeordneter Mithund betrachtet und auch so behandelt. Grössere Kinder, die nicht sorgsam angeleitet werden, können dem Hund das Leben zur Hölle machen. Es ist wirklich rührend, was sich gutmütige Hunde alles von Kindern gefallen lassen. Aber manchmal reisst auch denen der Geduldsfaden. Wenn ein Hund eifersüchtig oder futterneidisch ist, und er deswegen ein Kind auch nur geringfügig kneift, muss er sofort zur Ordnung gerufen werden. Aber auch Kinder müssen unbedingt lernen, dass man Hunde auch zu respektieren hat. D.h. sie müssen lernen, den Hund in Ruhe schlafen zu lassen oder ihn beim Fressen nicht zu stören. Ein besonderes Thema sind Kinder, die nicht ahnen können, dass man einen Hund, der etwas frisst, am besten in Ruhe lässt. Wiederum kann man vorbeugen. Oft lassen Hunde nämlich einen Erwachsenen ans Futter, reagieren aber rabiat, wenn Kinder in ihre Nähe kommen. Möglichst bei einem jungen Hund bewährt es sich, wenn man ihm nur eine geringe Futtermenge in den Napf legt und nun seine Kinder anregt zum Hund zu gehen um ihm nun weiteres Futter in den Napf zu legen. Damit wird für den Hund die Annäherung eines Kindes zu seiner Mahlzeit ein angenehmer Vorgang, so dass er in dieser Situation, statt zu knurren, sogar freundlich und erwartungsvoll mit dem Schwanz wedelt. Bei Kindern fremder Leute können Sie überhaupt nicht davon ausgehen, dass diese gelernt haben, wie man mit Hunden umgeht. Daher liegt die Verantwortung bei Ihnen. Das heisst nichts anderes, als dass Sie Ihren Hund besser erziehen müssen, als gar mancher seine Kinder. Ein sehr weitverbreiteter Fehler, der schon gelegentlich zum Tod von Säuglingen geführt hat, betrifft in der Regel das erstgeborene Kind eines Paares, das sich lange vor dem Kind einen Hund als Kinderersatz angeschafft hat. Der Hund war Mittelpunkt der Familie und Empfänger zahlloser Streicheleinheiten. Womöglich stand ihm die ganze Wohnung zur Verfügung, vielleicht sogar das Bett. Jahre später kommt der Säugling, und aus ist es mit diesem Leben. Der Hund wird abgeschoben, womöglich noch aus dem Haus in den Garten verbannt. Ein solcher Hund wird alles daran setzen, seine bisherige Stellung wieder zu erobern, und wenn es mit Gewalt ist. In diesem Falle hätte man den Hund mit einbeziehen müssen, ihm Sicherheit geben sollen, dass sich für ihn nichts ändert und aus dieser Sicherheit heraus hätte es wahrscheinlich eine reibungslosere Annäherung zum Kind gegeben.

Quelle: Welpenkurs © MV Büttgen Frau Petra Bender