Dominanz

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* Was bedeutet Dominanz? Der Hund ist wie der Wolf ein soziales Lebewesen, ein Rudeltier. In einem Wolfsrudel herrscht ein geradezu fanatischer Drang zur Loyalität den anderen Rudelmitgliedern gegenüber. Es ist die Grundlage ihres Daseins, dass sie nur gemeinsam stark sind und nur gemeinsam überleben können. Die Rudelmitglieder ordnen sich in strenger Hierarchie denen unter, die sie zu ihren Leitfiguren gemacht haben. Also nicht die selbsternannt körperlich Stärksten dominieren von sich aus die Schwächeren, sondern man hat sozusagen ausprobiert und ausgehandelt, wer der Dominierende ist, und man fühlt sich unter seiner Obhut wohl und sicher. Umgekehrt fühlt sich das Leittier in seiner anerkannten Position auch wohl und sicher. D.h. jeder Wolf/Hund will genau wissen, wo sein Platz ist. Ist er es, der führt oder ist er es, der sich führen lässt. Seine Position im Rudel entspricht seiner individuellen Natur. In einem Wolfsrudel haben die unterschiedlichsten Charaktere durchaus ihren Platz, mit dem aber, anders als bei so mancher menschlicher Hierarchie, keine Wertung verbunden ist. Auch unser Hund will und muss wissen, wo sein Platz im menschlichen Rudel ist. Nur so fühlt er sich wohl. Deshalb probiert er es auch immer mal wieder aus, wo er nun wirklich steht. Er braucht klare Verhältnisse. Ohne die ist er unsicher, ängstlich, aggressiv und schwer bis nicht erziehbar. Nahezu alle Probleme mit Hunden haben ihre Ursache in ungeklärten Dominanzverhältnissen. Ein Hund braucht also für sein Wohlbefinden genau abgesteckte Grenzen. Er braucht eine absolute Ordnung, eine Leitfigur, kurz, einen Chef. Damit sind Sie, sein menschlicher Rudelgefährte, gemeint. Ist das nicht der Fall, wird auch der winzigste Hund die Initiative ergreifen, und das Regiment im Haus führen. Für den Hund gibt es nur oben oder unten. Da kann er nicht aus seiner Haut. Es ist also ganz natürlich, dass er in Ihren schwachen Minuten immer wieder erproben wird, wer das Sagen hat. Wenn er sich eine bestimmte Aktion in den Kopf gesetzt hat und es immer wieder probiert, und Sie haben, weich geworden, dann doch einmal zugelassen, dass er etwas tut, was er eigentlich nicht darf, dann ist es erstaunlich, wie schnell ein Hund sich das merkt. Er wird Sie prompt auch in anderen Situationen auf Ihre Standhaftigkeit auf die Probe stellen. Damit wackelt Ihre Position. Dominantes Verhalten ist keine Frage der Körpergrösse und Kraft, sondern der Einstellung und der Erfahrung. Unser Hund muss davon überzeugt sein, dass wir und nicht er, in allen Lebenslagen die dominante Position einnehmen. Ist er nicht der Überzeugung, haben wir ihm zu viele Privilegien eingeräumt. Eine Erziehung kann nur auf der Grundlage einer eindeutig geregelten Rangfolge Erfolg haben. Die Rangfolge erfolgt nicht durch Erziehung, sondern die Erziehung wird durch die Rangfolge hergestellt. Bei einem Hund, der meistens oder manchmal folgt, ist weder die Erziehung noch die richtige Rangfolge eindeutig hergestellt. Er stellt Sie immer wieder auf die Probe. Diese Hunde tun zwar, was man von ihnen verlangt, erledigen dies aber widerwillig, murrend und zögernd. Bei diesen Hunden ist die Rangfolge oder ihr Verhältnis zum Menschen noch nicht restlos klar. Sie sind dauernd damit beschäftigt, herauszufinden, wo sie stehen. Sie siedeln sich in ihrer Hierarchie nicht unter, sondern neben und gelegentlich auch über ihrem Menschen an. Manche Hunde sind schon so daran gewöhnt, dass ihnen alles mehrmals gesagt wird, und warten von sich aus ab, bis endlich der letzte, sehr heftige Befehl erfolgt. Manchmal kommt der aber auch nicht, was dann für ihn ein weiterer Schritt nach oben ist. Hunde sollten zu ihren Menschen ein untergeordnetes, aber dennoch eng verbundenes Vertrauensverhältnis haben. Wer also seinen Hund prügelt, um ihm zu beweisen wer der Herr im Haus ist hat trotz aller Gewalt schon von vornherein die Schlacht verloren. Die wichtigste Grundlage, die soziale Bindung wurde damit vernichtet. Auch erleidet derjenige Schiffbruch, der sich die Liebe und Anhänglichkeit seines Hundes durch falsch angewandtes Entgegenkommen und pausenlosen Liebesbeweisen zu erkaufen sucht. Wer sich so verhält wird vom Hund als Untergebener betrachtet. Soziale Bindung entsteht nur durch eine klar definierte, friedliche Rangordnung. Soll es der Hund sein, der erzogen werden soll, hat dieser sich an der Rangordnungsskala nach allen anderen zweibeinigen Rudelmitgliedern einzuordnen. Wir müssen nur die richtigen Signale dazu geben. Ist das nicht der Fall, kann dies zu kleinen oder aber auch zu grossen Problemen führen. Woran erkennt man Dominanz? Dominant ist der Hund, der uns veranlasst, etwas zu tun. Dominant ist der, der den Reiz gibt. Derjenige, der reagiert ist der Unterlegene. Dominanz drückt sich nicht immer in Aggressionen gegenüber ihrem Menschen aus. Nein, Dominanz hat viele versteckte Merkmale. Zum Beispiel: Normalerweise hat jeder Hund seinen Liegeplatz, sein Körbchen, seine Hütte. Aber auch Tausende von Hunden teilen mit ihren Menschen Bett, Sofa und Sessel. Der Hund bestimmt darüber, wo er sich aufzuhalten hat. Der Rudelführer sucht sich den besten Platz aus. Er liegt immer etwas abseits und erhöht. Die Rangniedrigen suchen seine Nähe. Hunde liegen nur zu gern inmitten vielbegangener Flure, in Haustüren oder oben auf Treppenstufen, so dass jedermann über sie hinwegsteigen muss, weil sie keinen Millimeter weichen. Wer nicht aus dem Weg geht, ist der Boss. Beobachten Sie mal, wenn Sie mit Ihrem Hund eine Treppe hinauf- oder hinabgehen. Ist es nicht jedes Mal der Hund, der vorausläuft und unten oder oben auf Sie wartet? Der Rudelführer geht immer voraus. Aus Bequemlichkeit, damit der Hund nicht beim Essen stört, wird er oft vorher gefüttert. Wer zuerst frisst ist der Boss, die anderen bekommen das, was übrigbleibt. Woran man noch Dominanz erkennen kann * Er fordert uns auf, ihn zu streicheln. * Er fordert uns auf, ihn zu füttern. * Er steht nicht auf, wenn er im Weg liegt. * Er entscheidet, wann wir spazieren gehen. * Er bettelt um Leckerchen und Futter und wir füttern ihn sofort * Er vertreibt uns von seinem Futterplatz. * Er markiert innerhalb des Hauses. * Er markiert an unserem Bein. * Er bestimmt, wohin das Rudel geht, durch zerren an der Leine. * Er läuft voraus und sucht sich einen Weg aus und wir gehen hinterher. * Er hält das Rudel zusammen, läuft nach vorn und zurück und umkreist uns wachsam * Er läuft fort und kommt nicht wieder wenn wir ihn rufen. Er verhält sich wie ein Rudelführer und erwartet, dass wir ihm folgen * Er verteidigt sein Territorium gegen uns. Dominanz ist also schlechthin nichts anderes, als einen bestimmten Einfluss auf das allgemeine Geschehen zu haben Versuchen Sie einfach mal, einen Blick dafür zu bekommen, ob und wie Ihr Hund Sie dominiert, damit Sie dem entgegenwirken können. Nur wenn Sie mitbekommen, dass Ihr Hund Sie dominiert, können Sie darauf reagieren.

Quelle: Welpenkurs © MV Büttgen Frau Petra Bender